Dienstag, 14. März 2017

Ägypten: Ungewöhnliche Skulptur mit Langschädel entdeckt (Videos)

In Kairo wurden die Überreste einer riesigen, über 3.000 Jahre alten Statue entdeckt, von der die Archäologen spekulieren, dass sie Ramses II. darstellen könnte.
Wie das Ägyptische Antiquitätenministerium im »The Independent« zitiert wird, wurden die Teilstücke der aus Quarzit erstellten Riesenstatue in der Nähe der Tempel-Ruinen von Ramses II. entdeckt. Diese Tempelanlage befindet sich in der ehemaligen altägyptische Stadt Heliopolis, im nordöstlichen Stadtteil Matariya der heutigen Hauptstadt Kairo.

Das deutsch-ägyptische Archäologenteam fand die Fragmente der Skulptur in einem Grundwasserbecken und konnte den Kopf rekonstruieren, der die ungewöhnliche Deformation eines Langschädels aufweist. Sie schätzen, dass die Statue ursprünglich eine Größe von rund acht Metern gehabt haben könnte.
Die Archäologen fanden zudem noch den 80 Zentimeter großen, oberen Teil einer lebensgroßen Kalksteinstatue von Pharao Sethos II., dem Enkel von Ramses II.. Pharao Ramses II. gilt als der größte und mächtigste König Ägyptens, der in der Dritten von insgesamt 19 ägyptischen Dynastien des Neuen Reiches, von 1279 bis 1213 v. Chr., regierte.
Es ist geplant, die noch verbleibenden Teile der Statue auszugraben und sie so in ihrer früheren Pracht wiederherzustellen, wie sie vermutlich einst als Huldigung an den Pharao Ramses II. gedacht war. Dann soll sie den Eingang des zukünftigen Grand Egyptian Museum in Kairo schmücken, dessen Eröffnung für 2018 geplant ist.
Allerdings gibt es gute Gründe, die Erklärung der Archäologen anzuzweifeln, dass die Skulptur tatsächlich Pharao Ramses II. darstellen soll, denn er wurde niemals mit einem deformierten, Langschädel dargestellt – wohl aber Echnaton, der während der 18. Dynastie des Neuen Reiches (zwischen ca. 1353 und 1324 v. Chr.) herrschte.
Der Pharao Echnaton ist ohnehin eine sehr rätselhafte historische Figur gewesen. So schrieb er nicht nur ein neues Kapitel in der ägyptischen Geschichte, indem er seine Vision von dem einzigen Gott Aton verwirklichte und den Glauben an die alten Götter Amun und Thot verbot, sondern es ist zudem ein Mysterium, wo die Mumien von ihm und seiner Frau Nofretete abgeblieben sind, denn sie konnten bis heute nirgends gefunden werden.
© Fernando Calvo für Terra-Mystica.Jimdo.com am 11.03.2017
 
Dr. Dietrich Raue von der deutschen Mission erklärte, dass das Team hart an einer Bergung der restlichen Statuenteile für die anschließende Restaurierung arbeitet – einige Teile wurden mit einem Schaufelbagger geborgen, wie man auf Facebook-Bildern sehen kann!
(Die Statue von Sethos II.)
Archäologie mit Schaufelbagger
Nach den Aufsehen erregenden Funden einer Kolossalstatue von Ramses II. und einer kleineren Statue von Sethos II. in Kairo, hatte es in einigen Beiträgen auf sozialen Netzwerken Anschuldigungen gegeben, dass die Bergung der Fundstücke unsachgemäß erfolgt sei und die Statue dabei sogar noch beschädigt wurde.
Fotos von Baggern und einfachen Winden verbreiteten sich in Windeseile. Nun hat sich Zahi Hawass mit einem Statement eingemischt und verteidigt das Vorgehen.
Dass zur Bergung auch Seilwinden und sogar ein Bagger zum Einsatz kamen, sei nicht ungewöhnlich, betonte nun in einem Presse-Statement Ex-Antikenminister Zahi Hawass. Er habe sich Bildmaterial von Dr. Raue schicken lassen, auf denen die Bergung dokumentiert sei.
 
Hebung und Transport sei von Arbeitern aus Queft geleitet worden, die spezialisiert auf das Herben schwerer Lasten seien. Sie hätten u.a. auch schon in Sakkara gearbeitet und dabei bis zu 20 Tonnen schwere Statuen und Sarkophage bewegt.
Es sei auch völlig normal, dass in Mataria Statuen nur in Bruchstücken gefunden würden, betonte Hawass. Er selbst habe früher dort gegraben und man habe dort noch nie eine komplette Statue finden können. Alle noch verbliebenen alten Tempel und Artefakte seien in der koptischen Ära zerstört und teilweise als Baumaterial für Kirchen und Häuser verwendet worden (Pyramiden-Skandal: Internationaler Haftbefehl gegen Forscher aufgehoben! Jan van Helsing im Interview mit Stefan Erdmann).
 
  
Missionsleiter Dietrich Raue habe ihm versichert, dass die Bergung des Statuenkopfes absolut professionell und ohne Beschädigung erfolgt sei. Die vorhandenen Schäden, vor allem an der linken Kopfseite, stammten alle aus früheren Zeiten. Ein sehr großes Stück des Körpers der Statue liegt noch am Fundort. Es ist so schwer, dass es am Montag mit einem Kran aus der mit Grundwasser gefüllten Grube gehoben werden soll. Danach sollen dann alle Teile zur Restauration ins Grand Egyptian Museum (GEM) gebracht werden.
Auch auf Statuen spielende Kinder sorgten für einiges an Aufsehen in den sozialen Medien.
Die durch ihren medienwirksamen Einsatz für den Erhalt archäologischer Stätten bekannte Archäologin Monica Hanna kritisiert die Aussagen von Ex-Antikenminister Zahi Hawass. Dieser hatte in seinem Statement betont, zu den Baggern habe es keine Alternative gegeben, da die Fundstücke ja im Grundwasser lagen. Hanna erinnert in der Daily News Egypt daran, dass man an vielen anderen Grabungsstellen das Wasser zunächst mit Pumpen entferne, und erst dann die daraufhin gut sichtbaren Artefakte mit Seilen hebe.
In einem Gespräch mit Antikenminister Khaled El-Enany habe sie diesem andere Bergungsmöglichkeiten vorstellen wollen, der Minister sei aber mehr an der Bedeutung des Fundes interessiert gewesen, als an der Methode der Hebung der Einzelteile.
Hanna stellt in der Daily News Egypt auch den Vorwurf in den Raum, dass Hawass in seiner Zeit als Antikenminister dieses Stück Land an die Kommune verkauft habe, damit diese darauf einen neuen Markt errichten konnte. Diese archäologische Stätte gehöre also nicht mehr dem Antikenministerium, weil Hawass sie als archäologisch uninteressant eingestuft hatte.
Angesichts der Tatsache, dass alle früheren und auch die jetzigen Funde belegten, dass es hier einmal einen riesigen Tempel gegeben haben müsse, sei der Verkauf des Landes unter Hawass‘ Leitung damals ein großer Skandal, so Hanna.
Hawass erklärte der Daily News Egypt, diese knapp 70.000 Quadratmeter große Fläche sei eine der größten historischen Stätten des Landes, auf der man Überreste von verschiedenen Tempeln, u.a. auch von Thutmose III. und Echnaton, gefunden habe. Es sei geplant, dort nun neue Grabungen durchzuführen.
 
Heliopolis wurde schon während der griechisch-römischen Zeit stark zerstört. Obelisken und Statuen wurden nach Alexandria und Europa gebracht. Ein Obelisk z.B. wurde von einem Präfekten unter Kaiser Augustus nach Rom verschleppt (heute steht er auf dem Petersplatz). Während der islamischen Epoche wurden die Steine in die historischen Gebäude von Kairo verbaut.
Literatur:
Videos:




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